Auszüge aus KROCKET.DE und CROQUET-NEWS.DE, mit der freundlichen Genehmigung des Deutschen Krocket Bundes.

Eine kurze Einführung in das Croquet

Croquet ist in seinem Kern ein taktische Auseinandersetzung bei der jeder Spieler versucht, seine Bälle so zu manövrieren, daß er selbst punkten kann, während er die Pläne seines Gegners durchkreuzt indem er alle Bälle am Ende eines jeden Spielzugs vorteilhaft für die eigene Seite positioniert.

Dabei können sowohl offensive als auch defensive Spielzüge ausgeführt werden. Croquet ist eine eigenständige, außerordentlich interessante und herausfordernde Sportart, die vereinfachend als eine Mischung von Billiard, Schach und Golf kategorisiert werden könnte.

Die zwei Hauptspielarten des Croquet sind das "Association Croquet" und das "Golf Croquet".

Association Croquet

Beispiel auf Youtube: Reg Bamford in Hurlingham, London

Das etwas komplizierte Regelwerk wie es in den "Laws" der Croquet Association niedergelegt wird sei hier kurz zusammengefaßt:

Association Croquet wird mit vier Bällen gespielt: schwarz und blau gegen rot und gelb. Auf dem 25,6 x 32 m großen, absolut ebenen Spielfeld befinden sich sechs zu durchspielende Tore und ein Stab in der Mitte des Rasens. Man unterscheidet - ähnlich dem Tennis - zwischen Einzel- und Doppelspielen, wobei bei einem Doppel jedem Spieler eine Ballfarbe zugewiesen wird.

Jeder Spieler muß seine Bälle in einer bestimmten Reihenfolge und Richtung durch die Tore spielen ( vgl. Diagramme ), wobei jeweils ein Punkt erzielt wird. Jedes Tor muß zweimal passiert werden ( in unterschiedlicher Richtung ), so daß jeder Ball auf diese Weise 12 Punkte erzielen kann. Hinzu kommt ein Punkt am Ende für das Berühren des Stabes. Insgesamt kann jede Partei also mit Ihren beiden Bällen 26 Punkte erzielen

 

( Die Verwendung der Grafiken erfolgt mit der feundlichen Genehmigung unserer Liverpooler Croquetfreunde ( www.liverpoolcroquet.co.uk ) 

 

Ein Ball punktet nur dann, wenn er ein Tor in der richtigen Reihenfolge und in der richtigen Richtung passiert. Unerheblich ist, ob der Ball direkt geschlagen wird oder durch die Berührung mit einem anderen Ball durch das Tor bewegt wird.

Den Farben der Bälle entsprechende Klammern ( Clips ) zeigen an, welches Tor der jeweilige Ball als nächstes durchlaufen muß. Die Clips werden für die ersten sechs Tore an der Querstange und für die zweiten sechs Tore ( Rückrunde ) an einer der Seitenstangen des Tores befestigt.

Die Spieler sind abwechselnd am Zug. In den ersten vier Spielzügen werden die Bälle von einer der beiden Startlinien an den Enden des Platzes herein geschlagen. Es gibt keine feste Reihenfolge in der die Bälle gespielt werden. Wenn sich die Bälle im Feld befinden, entscheidet jede Seite, welchen Ball sie während ihres Spielzuges spielen will (Spielball). Während des Spielzuges darf der Spielball nicht gewechselt werden.

Ein Spielzug besteht grundsätzlich aus einem Schlag, zusätzliche Schläge für den Spieler ergeben sich jedoch in zwei Situationen:

1. Wenn ein Spieler den Ball durch das (richtige) Tor bringt erhält er einen Extraschlag.

2. Wenn ein Spieler einen anderen Ball trifft ( Roquet, Roquetieren), legt er seinen Ball so, daß dieser Kontakt zu dem getroffenen Ball hat. Anschließend spielt er seinen Ball erneut, wobei sich der in Kontakt befindliche Ball bewegen muß. Diesen Schlag ist der Croquetschlag (Croquetieren). Anschließend hat der Spieler noch einen weiteren Schlag, sog. Fortsetzungsschlag.

In jedem Spielzug kann der Spieler jeden anderen Ball grundsätzlich nur ein Mal Roque- und Croquetieren. Wenn der Spieler mit seinem Spielball jedoch ein Tor passiert, so können die anderen Bälle erneut auch innerhalb des gleichen Spielzuges getroffen werden um Extraschläge zu erhalten. So kann man bei entsprechender Geschicklichkeit durch die Kombination von Roquet-, Croquet- und Fortsetzungsschlägen mehrere Tore in einem Spielzug durchlaufen ("break").

Ein Spielzug endet, wenn der Spieler alle seine Schläge beendet hat, wenn ein Ball bei einem Croquetschlag nach außerhalb des Spielfeldes rollt oder wenn ein in den Spielregeln definierter Fehler gemacht wurde. Ein Spielzug endet also nicht zwangsläufig wenn ein Ball ins Aus gerät. Wenn der Ball bei einem anderen als dem Croquetschlag ins Aus rollt, wird er einen Yard querab von dem Punkt wo der Ball die Auslinie überschritten hat in das Feld hineingelegt. Jeder Ball -mit Ausnahme des Spielballs (der Ball mit dem der am Zug befindliche Spieler spielt) der zwischen Yard- und Auslinie liegen bleibt, wird auf die Yardlinie zurückgelegt. Erst wenn der Spieler den letzten Schlag eines Spielzuges ausgeführt hat, wird auch der Spielball auf die Yardlinie gelegt, wenn dieser zwischen Yardline und Spielfeldgrenze oder im Aus liegt.

Ein Ball der das letzte Tor passiert hat wird als "rover" bezeichnet und kann gegen den Stab gespielt werden oder einen anderen "rover" gegen den Stab spielen. Wenn ein "rover" den Stab berührt hat wird dieser aus dem Spiel entfernt.
 

Golf Croquet

Golf Croquet ist ein freundliches, unkompliziertes, witziges Spiel, weitaus einfacher als das Association Croquet und daher leichter zu erlernen als das "real game". Golf Croquet ist ein guter Einstieg ins Croquet und weckt häufig die Lust, die kompliziertere Welt des "Association" zu entdecken. Weil taktische Überlegungen hinter der Geschicklichkeit der Ballbehandlung zurücktreten können auch Anfänger schnell mit erfahreneren Spielern mithalten. Gleichzeitig ist Golf Croquet wegen der weiten Schläge spektakulärer und sportlicher ausgerichtet als das "Association Croquet".

Beispiel auf Youtube:  Der Ägypter Mohamed Nasr bei den World Championships, Southwick

Und so funktioniert's:

1. Aufbau und Größe des Feldes entsprechen dem des Association Croquets.

2. Jede Partei spielt mit zwei Bällen: blau und schwarz gegen rot und gelb ( oder grün und braun gegen pink und weis ). Die Reihenfolge in der die Schläge ausgeführt werden ist strikt abwechselnd: erst blau, dann rot, dann schwarz, gelb und wieder blau ( usw. )  bzw. erst grün, dann pink, dann braun, weis und wieder grün ( usw. ).


3. Jeder Spielzug besteht aus nur einem Schlag: Es gibt keinen Extraschlag für das Durchspielen eines Tores oder für das Treffen eines anderen Balles.

4. Am Spielbeginn wird die Münze geworfen. Die Partei, die gewinnt, hat das Recht zu beginnen (oder zu entscheiden, daß sie nicht beginnen will ) oder das Recht, die Farben zu wählen (z.B.: blau & schwarz oder rot & gelb ).

5. Die Anfangsschläge werden von der "B Startlinie" gespielt. Ziel des Spieles ist die Bälle als erster durch alle Tore zu spielen. Die Reihenfolge entspricht dabei der des Association Croquets. Ausnahme: Am Ende des Spiels wird der Ball nicht gegen den Stab, sondern durch das Tor 3 gespielt und dann aus dem Spiel herausgenommen.

6. Die Partei, die als Erste einen Ball durch ein Tor bringt erhält einen Punkt. Danach ist dieses Tor "tot", d.h., daß alle Bälle dann um das nächste Tor spielen. Insgesamt werden auf diese Art und Weise insgesamt 13 Punkte pro Spiel vergeben. Die Partei, die zuerst sieben Punkte erzielt hat gewonnen.

7. Alle Spieler "kämpfen" um das gleiche Tor. Auch wenn keine Chance mehr besteht das derzeit gespielte Tor als erster Spieler zu durchlaufen, ist es nicht gestattet sich schon vor eines der nächsten Tore zu legen. Wer schon über die Mitte des Platzes hinaus in Richtung auf das nächste Tor rollt, wird auf einen "Strafpunkt" zurückgelegt.

8. Ein Ball der außerhalb des Feldes liegenbleibt wird sofort auf die Auslinie zurückgelegt .


9. Bei einem der folgenden Fehler ( wenn dieser von dem Gegner vor Ausführung des nachfolgenden Schlages gerügt wird ) wird der Ball zurückgelegt und der Spieler muß einmal aussetzen:

- Wenn der Ball mit etwas anderem gespielt wird als mit einer der dafür vorgesehenen Stirnseiten des Schlägerkopfes.
- Wenn ein Ball "gequetscht" wird, d.h. Schläger, Ball und Tor berühren sich gleichzeitig.
- Wenn der eigene Ball bei dem Schlag nicht getroffen wird oder wenn ein anderer Ball Croquetiert wird.

Nicht bestraft wird dagegen, wer die Reihenfolge nicht einhält oder einen falschen Ball spielt. In diesem Falle wird der Ball zurückgelegt und es wird korrekt fortgefahren. Es ist nicht verboten einen im Wege liegenden Ball zu "überspringen" ("Jump shot").

Kleine Materialkunde

Ein Spiel besteht aus sechs Toren, einem Stab, vier Bällen, vier Seitenfahnen und vier Clips in den Ballfarben. Jeder Spieler benötigt einen Schläger.

- Der Schläger (engl. "Mallet") -

Croquetschläger sind ein vielerlei Formen und Größen erhältlich. Für das Association - und Golf Croquet scheiden von vornherein Kinder Croquet- und Garten Croquetschläger aus. Diese sind zu leicht und aufgrund ihrer Konstruktion nicht für das "ernsthaftere" Association - oder Golf Croquet geeignet.

Die Form des Schlägerkopfes (rund, eliptisch oder eckig) ist unerheblich, Größe und Gewicht sind es allerdings nicht. Für das Gewicht des Kopfes ist die verwendete Holzart ( neuerdings gibt es auch Kunststoffköpfe ) entscheidend. Leichtere Schläger bestehen aus Esche oder Buchsbaumholz, die schwereren aus tropischen Hölzern insbesondere Pockholz ( lignum vitae ). Letzteres ist in den vergangenen Jahrzehnten immer seltener und teurer geworden. Zum Schutz der Stirnseiten werden häufig Schutzflächen aus Kunststoff aufgeklebt. Auch durch Messingeinfassungen wird das Risiko des Splitterns reduziert. Auch die Größe des Kopfes variiert geringfügig. Das Gewicht des Schlägers sollte drei engl. Pfund nicht unter- und drei Pfund 6 Unzen nicht überschreiten.

Der Stiel des Schlägers wird normalerweise aus Eschen-, Malaccha- oder Hickoryholz gefertigt. Zunehmend sind Fiberglass und Metallstiele erhältlich. Metall-, Fiberglass-, Malacchaholz- und gespleißte Hickorystiele sind flexibel und federn beim Schlag relativ stark ("The extra-zzzzip"). Hickory ohne Spleiß federt leicht, Eschenholz ist insoweit relativ leblos. Viele der Spitzenspieler bevorzugen Hickorystiele ohne Spleiß.

Die Schlägerlänge sollte beim Standardgriff bis zur Hüfte reichen, wenn möglich noch einige Zentimeter länger sein. Im allgemeinen werden die Stiellängen bei einer Höhe des Kopfes von ca. 7 cm bei ca. 90 bis 98 cm liegen. Nachträgliche Veränderungen am Schläger sollten nicht vorgenommen werden, da dieser dann seine Balance verliert.

- Tore (engl. "Hoops") -

Die Tore bestehen aus Gußeisen und wiegen 2000 gr. Der Freiraum für den Ball beträgt ca. 3 mm.

- Bälle -

Bälle gibt es in den ersten Farben (blau, rot, schwarz, gelb) und den zweiten Farben (grün, rosa, braun, weiß). Sie bestehen aus Plastik und haben einen Durchmesser von 92 mm.

- Einstieg -

Der Deutsche Krocket Bund hält alle Adressen von Mitgliedsvereinen parat, die Sie gerne an den Sport heranführen.

Bevor Sie ein Set kaufen, sollten Sie an einer unserer Schnupperveranstaltung teilnehmen.

Vereinbaren Sie einen Termin: Email: bcc-chairman

Ursprünge des Spieles

Häufig beginnt die Geschichte des Krocket (Croquet) mit der Tätigkeit der französischen Emigrantenfamilie Jaques in London, die als Elfenbeindreher um 1850 begann, die englischen Landbesitzer mit Kugeln zum Spiel auf den reichlich vorhandenen Rasen auszustatten und damit Abwechslung in das eintönige Landleben brachte. Sie gründeten die erste Firma für die Herstellung von Sportgeräten, die auch noch heute führend ist. Entsprechend der englischen Gewohnheit der Aussprache französischer Worte wurde aus „Jaques“ [„Jakes“].  

 

Die Geschichte der Spiele mit Bällen reicht lange in die Geschichte der Menschheit zurück. In Mitteleuropa ist das Spiel erstmals in der Renaissance um 1500 belegt, es erhielt den italienischen Namen „pallamaglio“, abgeleitet von den lateinischen Worten „palla“ für Ball und maglio für Hammer. Das Oxford Lexikon gibt die Definition von „Pall Mall“ als Spiel des 16. und 17. Jahrhunderts, bei dem eine Kugel aus  Buchsbaumholz durch einen Reifen aus Eisen getrieben wird, der am Ende einer langen Allee eingesteckt ist. Daher rührt heute noch die englische Bezeichnung „hoop“ für das Tor.

König James I (1603-1625) riet seinem Sohn, Pall Mall zu spielen. König Charles II (1649-1685) brachte aus dem französischen Exil das Spiel mit, für das er durch den französischen Gärtner Le Notre in London eine Spielbahn für Pall Mall einrichten ließ, die als Straßennamen heute noch existiert. Dort ließ er sich von seinen Untertanen beim Spielen bewundern. Der Begriff „Mall“ ist davon abgeleitet und vor allem in den USA gebräuchlich. Im 18. Jahrhundert wurde Pall Mall an den Höfen Mitteleuropas eifrig gespielt. Erhalten sind die Anlagen am sächsischen Schloss Pillnitz an der Elbe, wo der König von Polen, August der Starke, 1725 Pall Mall-Bahnen anlegte und sein Sohn bei der Erweiterung des Parks auch die Spielbahnen vergrößerte.

 


In der Kunst findet man dementsprechend Darstellungen von Spielern, die man heute als Croquetspieler bezeichnen kann. Rembrandt nannte 1654 eine Radierung „Der Kolfspieler“, auf dem die Spieler in einer durch Bretter eingefassten Bahn den Schläger typisch halten. In dem Buch von Comenius „Orbis sensualium pictus“ von 1659, aus dem Goethe noch gelernt hat, sind Croquetspieler abgebildet. „Die Knaben spielen … mit Kügelen mit der Keule schlagend durch den Ring…“.

Wir fanden in einem Katalog des Antiquariats Rumbler aus Frankfurt am Main (Katalog 41 von 2007) eine Abbildung, die mit Erlaubnis von Herrn Rumbler hier wiedergegeben wird. Der Künstler, von dem der Entwurf stammt, ist unbekannt, jedoch geht die Darstellung auf P. Breughel zurück, der mit der teilweise sehr drastischen Darstellung eine eigene Kategorie „Bauernkirmes“ begründet hat. Der Verleger unseres Stiches, der von der Zeit um 1565//70 stammt, war Johann Baptist Vrints von Antwerpen. Das Bild ist bezeichnet als „St. Sebastian Kirmes“ und geht auf die Umgebung von Antwerpen zurück, von dem P. Breugel eine Darstellung aus Hoboken bei Antwerpen hinterlassen hat.

 

Bei dieser Grafik ist der kirchliche Anlass nur im Hintergrund zu erkennen, das Bild wird ausgefüllt mit vielen Szenen eines ländlichen Festes mit Marktständen, einem Taschendieb und allerlei Volksbelustigungen. An der einen Seite ist ein Gasthaus dargestellt, vor dem üppig gefeiert wird. Vor der gegenüberliegenden Wirtschaft fällt eine Gruppe von Spielern auf, die wir heute als Croquetspieler bezeichnen können. In einem mit Brettern begrenzten Spielfeld schlagen 2 Spieler mit Schlägern mit langen Stielen Kugeln durch einen in den Sand gesteckten Reifen. Der Wirt hat als Emblem ein Schild für das jährlich wiederkehrende Fest angebracht, auf dem symbolisch der Reifen zu erkennen ist, das wir als typisch für Croquet bezeichnen wollen.

Quelle: Hans Renschler, Krocketfreunde Bonn beim HTC Bonn Ippendorf. 23. Juni 2009, aus der Website:

http://www.croquet-news.de